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Kapitel 2 – Die Anima Sola


Die Augen der Frau waren genauso kalt wie ihre Stimme, doch sie wirkten nicht annähernd so gelangweilt. Eher hatte das glutrote Starren der Fremden etwas hungriges, etwas, das mir unmissverständlich klarmachte, dass ein einziges falsches Wort mich blitzschnell zur Zwischenmahlzeit degradieren konnte.

Was ist los, bist du stumm? Los, zeig deine Bulle her“, schnarrte die Frau. Nun war ich vollkommen verwirrt.

Bulle?“ Was wollte dieses Weib von mir? Was war das hier, ein Viehmarkt? Die Frau seufzte ungehalten und trat auf mich zu, und bei jedem Schritt schien sie ein wenig größer und furchteinflößender zu werden. Als sie direkt vor mir stand, streckte sie die Hand aus, und ich zuckte in Erwartung eines Schlages zusammen, doch alles, was die Frau tat war nach etwas, das um meinen Hals hing zu greifen.

Ich war verblüfft – dieses Ding hatte ich noch gar nicht bemerkt! Es war eine Kapsel aus Metall, etwa faustgroß, goldglänzend und reich verziert, die an einer dünnen Goldkette um meinen Hals hing. Mit spöttisch hochgezogenen Augenbrauen schraubte die Frau das eine Ende der Kapsel – der Bulle – ab und zog einen langen, eng zusammengerollten Pergamentstreifen daraus hervor.

Entschuldigen Sie bitte, aber wer sind Sie?“, fragte ich schließlich ein wenig genervt. Nichts bekam man hier erklärt, garnichts. Die Frau blickte auf und in ihren roten Augen blitzte es bedrohlich. Eine Weile sagte sie nichts, sondern senkte wieder den Blick und studierte weiter die Rolle, bevor sie diese wieder in der Bulle verstaute und sorgsam den Deckel wieder aufschraubte.

Die Herrin dieses Ortes, Lilian. Lilian Marie Aldavan“, fügte sie leiser hinzu, „gestorben im Alter von siebzehn Jahren in einem Autounfall“ Das letzte Wort betonte die Frau mit einem Schnauben, als sei ein ordinärer Autounfall eine absolut minderwertige Art zu sterben.

Du darfst mich Anima Sola nennen, Sterbliche“, ließ die Anima Sola sich dazu herab, sich vorzustellen. Dann wandte sie sich ab und ging mit wiegenden Schritten auf die Waage zu, sodass ich die Gelegenheit bekam, die Frau eingehend zu mustern.

Ich entschied mich schnell dafür, dass ich sie hasste. Nicht nur wegen ihrer unverhohlenen Arroganz – obwohl das schon Grund genug gewesen wäre – sondern wegen ihrer schier atemberaubenden Schönheit, der nicht einmal die roten Augen Abbruch taten.

Sie war sehr groß und sehr dünn, was ihr in meinen Augen schon die ersten Minuspunkte einbrachte, denn mein Körper – Astralkörper, Geist, was auch immer – war alles andere als groß und für mein empfinden viel zu pummelig. Außerdem hatte sie langes, makellos glattes, nachtschwarzes Haar, welches wie ein Vorhang aus flüssiger Seide bei jedem Schritt glänzende Wellen über ihre Schultern schlug und bis hinunter auf ihre Hüften fiel. Neben dieser Haarpracht fühlte ich mich mit meinen straßenköterblonden, strohigen Strähnen wie eine Vogelscheuche. Und die Anima Sola bewegte sich wie auf Rädern. Jede Frau, die halbwegs bei Verstand war, hätte sie gehasst.

Kommst du jetzt her, oder muss ich dich holen?“, riss das ungehaltene Schnarren der Frau mich aus meinen Gedanken und wie von selbst trottete ich los, auf die Waage zu.

Aus der Nähe war das Konstrukt noch beeindruckender. Es erinnerte entfernt an eine ordinäre Kaufmannswaage, doch wenn man genauer hinsah war das Gebilde um ein tausendfaches komplexer. Die beiden Schalen waren groß genug, um eine ganze Herde Elefanten aufnehmen zu können, auch wenn irgendetwas mir sagte, dass dies nicht der Zweck dieses Gebildes war.

Und dann sah ich die Feder. Mir stockte der Atem – nie hatte ich etwas Schöneres, Zerbrechlicheres und gleichzeitig Beängstigerendes gesehen.

Entfernt erinnerte das Ding an eine Pfauenfeder – doch jeder Pfau dieser Welt – oder eher, jeder Pfau in der Welt der Lebenden – wäre vor Neid erblasst, wenn sein Gefieder solche Farben hätte hervorbringen können.

Und das war das außergewöhnlichste – ich konnte diese Farben nicht beschreiben. Es gab sie nicht, auch, wenn ich sie deutlich sah – zumindest in der Welt der Lebenden gab es solche Farben nicht. Dann machte mein Verstand vor dieser schier unüberwindbaren Aufgabe dicht und ich nahm die Feder nur noch als strahlend weiß wahr.

Und gleichzeitig fiel es mir wie Schuppen von den Augen – dies hier war die Seelenwaage.

Ich hatte nie daran geglaubt, dass sie einen nach dem Tod tatsächlich erwartete, aber ich hatte von ihr gelesen. Hier wurde die Seele gegen die Feder aufgewogen – und anhand des Gewichts darüber entschieden, ob man ins Paradies kam oder der Verdammnis anheim fiel. Ich begann zu zittern, umso mehr, als die Anima Sola boshaft zu grinsen begann und auffordernd die leere Schale der Waage tätschelte.

Aber ich will nicht in die ewige Verdammnis!, jammerte ich innerlich, während ich schwer schluckend die paar Stufen zu der Waage hinauf kletterte.

Die Schale wirkte auf mich plötzlich so bedrohlich wie das mit Reißzähnen gespickte Maul einer wilden Bestie – doch ich spürte, dass ich keine Wahl hatte und so begann ich, unbeholfen in die Schale zu klettern. Ich presste fest die Augen zusammen.

Die Anima Sola lachte schadenfroh, dann hörte ich, wie sie zu singen begann – und das war noch ein Grund mehr, die Hüterin der Waage zu hassen. Ihre Stimme klang genauso, wie Gold klingen würde, hätte es eine Stimme gehabt – rein, klar und weich. Mir stellten sich sämtliche Haare auf.

Die Waage begann zu vibrieren, bald steigerte es sich zu einem Summen genau im Takt mit dem Gesang der Frau. Helles Licht drang durch meine zusammengepressten Lider – gleich, gleich würde sich sicher die Schale senken und mich für immer ins Fegefeuer werfen...

Doch nichts geschah – stattdessen zerriss plötzlich das laute Kreischen eines Raben die Harmonie aus Gesang und Resonanz und das Leuchten verblasste.

WAS?“, kreischte die Anima Sola wütend; das Krächzen des Raben antwortete.

Ich wagte es, die Augen einen Spalt breit zu öffnen. Die Schale hatte sich nicht bewegt und die Anima Sola starrte mich mit einer Mischung aus Enttäuschung und Abneigung an. Den großen Raben, der vor ihr auf den Stufen gelandet war, ignorierte sie, zumindest solange, bis das Tier sich vor meinen Augen zu verwandeln begann.

Der Anblick des sich grotesk verformenden Körpers rief Übelkeit in mir hervor und ich schloss die Augen erneut.

Ogg, was soll das? Ihre Bulle war einwandfrei, ihre Zeit abgelaufen!“, keifte die Hüterin der Waage. Ein heiseres Lachen antwortete ihr, und neugierig öffnete ich erneut die Augen.

Dort, wo eben noch der große, silberäugige Rabe gewesen war, stand nun ein gutaussehender, bleicher Mann mit zerzaustem, pechschwarzen Haar und einem aus Federn gefertigten Umhang. „Lass mir doch meinen Spaß“, sagte der Mann mit tiefer Stimme und grinste mich an „Du kannst rauskommen, Mädchen. Heute ist dein Glückstag“, erklärte er.

Zögernd gehorchte ich, auch wenn ich nichts verstand. Zu sterben hatte nichts mit Glück zu tun, zumindest in meinen Augen. Doch als der Mann – Ogg hatte die Anima Sola ihn genannt – seine feingliedrige Hand nach mir ausstreckte und lächelte, überdachte ich das nochmal. In seine Obhut übergeben zu werden klang schon eher nach Glück. Immerhin bot er einen Anblick, der einem die Ewigkeit durchaus erträglich machen konnte.

Bereit?“, fragte er, als ich seine Hand nahm. „Für was?“, fragte ich unsicher, doch das schien Ogg als Antwort zu genügen, denn er zog mich an sich, schlang den Federumhang um mich und drehte sich langsam um sich selbst.

Kurz hatte ich das Gefühl, durch völlig leeren Raum zu schweben, dann lichtete sich die Dunkelheit des Umhangs und ich schnappte nach Luft.

8.5.09 17:37
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lil (7.6.09 15:38)
boah ich liebe deine Schreibweise, total fesselnd und interessant und unglaublich spannend!!

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